Ulros’s Weblog

21. Dezember, 2007

BMW will die Rendite steigern – Mit Entlassungen

Eine schoene Beschereung… Unsensibler geht es eigentlich kaum noch bei der Wahl des Zeitpunktes fuer die Veroeffentlichung solcher Plaene.

Es ist wieder einmal ein typisches Beispiel fuer die Funktionsweise der Wirtschaft heut zu Tage. Allerdings eines der bitteren Sorte. Wenn es Unternehmen schlecht geht, dann muessen sie sparen. Das ist eine logische Massnahme, um zu erwartenden wirtschaftlichen Schaden vom Unternehmen abzuweisen. Dass zu solcherlei Sparmassnahmen auch die Entlassung von Mitarbeitern gehoert, ist bekannt und manchmal auch notwendig. Allerdings wird in unseren Zeiten dieses Mittel als boersenbejubeltes Allheilmittel missbraucht / verkannt.

Wir sprechen hier jedoch nicht ueber ein Unternehmen, dem es schlecht geht.

Wir sprechen hier ueber ein Unternehmen, dem es nicht gut genug geht.

Und genau das ist das ist das abstossende an dieser Massnahme. Die Rendite soll (noch mehr) gesteigert werden, um die Aktionaere und den Finanzmarkt bei Laune zu halten. Die Bauern auf dem Brett kann man hierfuer ja leicht opfern. Vielleicht sollten die Damen und Herren aus der Fuehrunggsetage bedenken, dass es ohne Bauern um die Macht und Existenz des Koenigs schlecht bestellt ist. Diese Analogie mit dem Schachspiel sei an dieser Stelle erlaubt, auch wenn es sich bei den Plaenen zum Abau von ca. 8000 Stellen nicht um eine Spielerei handelt.

Passend zu solchen Meldungen erscheint mir auch eine Meldung der letzten Tage ueber den ehemaligen Minister fuer Wirtschaft und Arbeit Clement.

Er beklagt, dass die SPD „Orientierungslos, gestrig und viel zu links“ sei und denkt wohl als Konsequenz ueber seinen Austritt aus der Partei nach, die sich seiner Meinung nach wohl zu weit nach links beugt.

Die SPD steht unter anderem fuer Folgendes:

Zitat aus dem Wikipediaartikel ueber sie SPD:

Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind nach dem Hamburger Programm für die SPD die Grundwerte des „Demokratischen Sozialismus“. So ist die soziale Gerechtigkeit eines ihrer vorrangigen politischen Leitwerte. Die soziale Marktwirtschaft soll gestärkt werden, ihre Erträge dabei fair verteilt werden, da dies als notwendig für den Wohlstand der Gesamtbevölkerung angesehen wird. “

Zitat Ende.

Wenn es also schon bedeutenden Persoenlichkeiten der SPD quasi gegen den Strich geht, die oben genannten Werte in der der Partei angestammten Richtung, naemlich links zu verteidigen, dann zeigt dies einmal mehr, dass die „soziale Marktwirtschaft“ in diesem unserem deutschen Lande schon lange mehr oder weniger heimlich zu Grabe getragen und bestattet wurde. Der Haupttrauergast, die „globale Marktwirtschaft“ duerfte bei der Trauerzeremonie im engsten Kreise wohl kaum mehr als eine Krokodilstraene verloren haben. Beim Leichenschmaus jedoch liess die Wirtschaft, des „sozialen“ entledigt die Champagnerkorken knallen. Inzwischen ist es vorbei mit der Heimlichtuerei. Jetzt darf die Wirtschaft offen ihre Zaehne zeigen und, wie in unserem Beispiel hier, wegen nicht ausreichender Rendite 3 Tage vor Weihnachten den Abbau von zig Tausend Stellen ankuendigen. Nach Diktat verreist.

Fragt sich nur, wie lange die Menschen diese Form der Marktwirtschaft noch ertragen wollen, oder besser gesagt koennen. Denn der Renditesteigerungsbedingte Verlust des Arbeitsplatzes steigert die Kaufkraft der Betroffenen nicht wirklich. Der Nebeneffekt ist auch der Verlust von Einzahlern fuer das auf dem Solidaritaetsprinzip basierende Sozialstaatssystem. Irgendwann einmal in nicht all zu ferner Zukunft wird der Staat die finanziellen Konsequenzen solcher Entlassungen in Form von Zuschuessen z.B. im Gesundheitswesen tragen muessen. Da jedoch bekanntermassen auf lange Sicht gesehen, unter Einbezug der Alterspyramide und aehnlicher Faktoren, in Deutschlands Staatskasse keine ausreichenden Mittel vorhanden sind, laesst sich leicht ausrechnen, wo der Buerger in diesem Szenario enden wird.

Wir haben jetzt schon eine relativ hohe Armut, insbesondere schlimm hierbei speziell die Kinderarmut sowie die Rentnerarmut. Wenn dann auch noch die Grundversorgung der Menschen, also z.B. medizinische Behandlung, Nahrung, Wohnraum unbezahlbar werden wird, dann frage ich mich, wieviele Tropfen das Fass der oeffentlichen Meinung und Stimmung noch fassen kann, bevor es endgueltig ueberlaueft.

Aber all diese Gedanken haben in der Berechnung der Rendite keinen Platz.

Unseren Politikern geht es mit diesem System der sozialen Marktwirtschaft ausgesprochen gut. Der Lobbyismus funktioniert praechtig. Der gefuehlte Handlungsbedarf bei den Volksvertretern fehlt also voellig.

Ein etwaiges Aufbegehren in Form von Streiks ist in unserer vom Marshallplan gestylten ehemals erfolgsverwoehnten Postwirtschaftswunderwelt keine uebliche Option. Die Macht der Medien sorgt gesteuert von der Lobby der Politik dafuer, dass Streiks wie der der Lokfuehrer z.B. schnell verteufelt werden. Die Geiselnahme der auf die Zuege angewiesenen Wirtschaft durch die Lokfuehrer schade der Bevoelkerung und sei somit moralisch verwerflich. Und schon hat man die „boesen“ Streikenden mit Hilfe geschickt formulierter Propaganda in die mediale Ecke gestellt.

Bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung weitergeht. Eine franzoesische Revolution in Deutschland wird es auch beim absoluten Fehlen des Faktors „sozial“ so schnell nicht geben. Bleibt also nur eine Reaktion des Kapitals aufgrund fehlenden Konsums zu erwarten. Denn wer nichts mehr im Geldbeutel hat, der kauft auch nichts. Schon garkeine BMWs, auch nicht auf Kredit.


Quellen: FAZ  Spiegel OnlineBegriffserklaerung:

Rendite

2 Kommentare »

  1. geld stinkt und die globalisierung führt uns irgendwann in ein neues zeitalter. fragt sich nur wann und wohin! sicher ist aber, es gibt kein endloses wachstum…

    Kommentar von rene — 22. Dezember, 2007 @ 2:53 pm | Antworten

  2. […] Zahl der Mitarbeiter ist im abgelaufenen Geschäftsjahr im Zuge der angekündigten Personalmaßnahmen, des Verkaufs von einzelnen Unternehmensteilen, natürlicher Fluktuation sowie des Auslaufens […]

    Pingback von Schlechte Zeiten für BMW – Vorsteuerverlust von mehr als einer Milliarde Euro — 22. März, 2009 @ 12:52 pm | Antworten


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